Die Suppe, die dem Kürbissuppen-Klischee ausweicht
Jedes Jahr im Oktober liegt derselbe Vorschlag in der Luft: Kürbissuppe. Und jedes Jahr denke ich, dass der Herbst mehr kann — dass eine Herbstsuppe ohne Kürbis nichts vermissen lässt, wenn man ihr nur den Ofen gönnt. Die Pastinake zum Beispiel — eine Wurzel, die im Rohzustand nach nichts aussieht und im Ofen etwas tut, das mich jedes Mal wieder überrascht: Sie wird süß. Nicht zuckrig, sondern karamellig, tief, fast wie geröstete Nuss.
Diese Suppe lebt genau davon. Nichts wird gekocht, was vorher nicht im Ofen war. Die Birne bringt eine leise Frucht dazu, die man nicht sofort benennen kann, und das kaltgepresste Haselnussöl am Schluss macht aus einem einfachen Teller etwas, das nach Sonntag schmeckt — auch wenn Dienstag ist.
Heize den Ofen auf 200 °C vor. Schäle die Pastinaken und schneide sie in Würfel, würfle eine Birne dazu — die zweite hebst du auf, sie kommt später roh obendrauf. Zwiebel grob schneiden, Knoblauchzehen ungeschält dazwischenlegen, alles mit Olivenöl und Salz mischen.
Dann 25–30 Minuten rösten. Warte, bis die Kanten wirklich braun sind. Das ist der Punkt, an dem aus Gemüse Geschmack wird — und der einzige Schritt, bei dem Ungeduld sich rächt.
Während das Blech im Ofen ist: Haselnüsse in eine trockene Pfanne, mittlere Hitze, immer wieder schwenken. Du brauchst keine Uhr dafür — du riechst, wann sie fertig sind. Dann grob hacken und beiseitestellen.
Das geröstete Gemüse wandert in einen Topf. Die Knoblauchzehen lassen sich jetzt mühelos aus der Schale drücken. Mit der heißen Brühe aufgießen, die Sahne dazu, einmal kurz aufkochen.
Dann fein pürieren — wirklich fein, länger als du denkst. Der Unterschied zwischen „püriert“ und „samtig“ sind etwa zwei Minuten. Mit Muskat, Salz und Pfeffer abschmecken.
Jetzt kommt die zweite Birne — roh, in feine Spalten geschnitten. Sie ist der Kontrast: kühl und knackig gegen die warme Cremigkeit darunter.
Suppe in tiefe Schalen füllen, Birnenspalten auflegen, die gerösteten Haselnüsse darüber, ein paar Thymianblätter. Zum Schluss ein paar Tropfen Haselnussöl — kalt, direkt aus der Flasche.
Das Haselnussöl kommt erst kalt am Ende dazu — erhitzt verliert es sein Aroma. Wenn du es mit der Brühe in den Topf gibst, hast du zwar Öl in der Suppe, aber genau das nicht, wofür du es gekauft hast.
Vier Fragen, die mir zu diesem Rezept am häufigsten gestellt werden.
Ja. Ersetze die Sahne durch Hafersahne — die Röstaromen der Pastinaken tragen die Suppe ohnehin. Achte nur darauf, dass die Gemüsebrühe vegan ist.
Am besten frierst du sie ohne Sahne ein. Beim Aufwärmen rührst du die Sahne frisch ein — so wird die Suppe nicht flockig. Bis zu drei Monate haltbar.
Petersilienwurzel kommt der Pastinake am nächsten, ist aber würziger. Sellerie funktioniert ebenfalls, wird jedoch deutlich herber und weniger süß. Der Ofen macht aus beiden etwas Gutes — nur eben etwas anderes.
Kaltgepresstes Haselnussöl verliert beim Erhitzen sein Aroma. Es gehört kalt auf den fertigen Teller — dort entfaltet es die nussige Note, die die Suppe trägt.
Ich schreibe die Villa Bloom & Co. — über Herbst, Haus und Garten, über Dinge, die wachsen dürfen, statt gekauft zu werden. Meine Rezepte entstehen so, wie meine Schnittmuster entstehen: langsam, mit ein paar Fehlversuchen, und erst dann aufgeschrieben, wenn sie wirklich funktionieren.
Diese Suppe ist Rezept Nr. 1 von sieben. Das ganze Heft — mit Ofen-Kürbis, Maronen-Risotto, Quitten-Kompott und der Herbsttafel — gibt es als PDF zum Ausdrucken.
Zum Heft Lieber erst reinschnuppern? Hol dir die Leseprobe kostenlos.Der Herbst belohnt jeden, der ihm ein paar Minuten mehr schenkt — mit Aromen, die man sich nicht kaufen kann.